Persönlich

13 Jahre Code für die Rettung – meine Geschichte hinter coderis

Ein persönliches Wort von Ralf Pogoda, Gründer und Geschäftsführer der coderis GmbH.

Software für Menschen, die helfen

Ich bin Informatiker — aus Leidenschaft, nicht aus Pflicht. Software zu bauen, die im Alltag tatsächlich gebraucht wird, gehört für mich zu den schönsten Dingen in diesem Beruf. Und seit weit über zehn Jahren arbeite ich in einem ganz besonderen Umfeld: an Software für Menschen, die anderen helfen — Rettungssanitäter, Notärzte, Disponenten, Besatzungen.

2012: Gründung der pulsation IT in Berlin

Im Januar 2012 habe ich in Berlin die pulsation IT GmbH gegründet. Die Idee war so einfach wie radikal für die damalige Zeit: Wir wollten die papierbasierte Einsatzdokumentation im Rettungsdienst durch eine moderne, mobile Lösung ersetzen — und zwar nicht über teure Spezialterminals, wie es der Wettbewerb tat, sondern auf dem iPad. Aus dieser Idee entstand die Produktfamilie docYou für die digitale Dokumentation in Rettungsdienst, Feuerwehr, Klinik und Telenotarzt.

Es war eine intensive Reise. Aus dem ersten Prototypen wurde ein Produkt, aus dem Produkt ein Team, aus dem Team ein Unternehmen — und bis 2022 einer der führenden Anbieter für digitale Einsatzdokumentation im deutschsprachigen Raum.

2020: Übergabe an einen neuen Eigentümer

2020 habe ich die Anteile an pulsation an ein Family Office mit Schwerpunkt auf B2B-Software veräußert. Für einen Gründer ist so ein Schritt nie trivial. Aber es war der richtige Moment: pulsation brauchte einen starken Partner für die nächste Wachstumsphase, ich wollte mich weiter auf Technik und Produkt konzentrieren. Bis Ende 2021 habe ich die Geschäftsführung verantwortet, danach noch eine Zeit lang als Berater begleitet. Pulsation entwickelt sich heute mit einem starken Team gut weiter — und für mich war Raum für etwas Neues.

2023: Aus einem DRK-Pilot wird coderis

Mit dem Rettungsdienst war ich aber nie wirklich fertig. Als das DRK Bodensee-Oberschwaben in Baden-Württemberg eine moderne Lösung für die Anmeldung und Disposition von Krankentransporten suchte, war ich sofort dabei. Was die Disponenten in den Leitstellen täglich leisten, ist beeindruckend — und die vorhandenen Werkzeuge sind dieser Aufgabe schon lange nicht mehr gewachsen.

Also habe ich mich wieder hingesetzt: programmiert, mit Disponenten gesprochen, in Leitstellen mitgesessen, zugehört. Was als Pilot begann, wurde schnell zu mehr. 2023 ist daraus die coderis GmbH entstanden — heute eine Plattform, die den gesamten Krankentransportprozess digitalisiert: von der Online-Bestellung über die automatisierte Disposition bis hin zur Mobile-App in der KTW-Kabine und zur Abrechnung.

Heute: Team, KI und eine neue Rolle

Was sich gegenüber den pulsation-Jahren am meisten verändert hat, ist die Art, wie wir arbeiten. Bei coderis habe ich heute ein großartiges Team — Menschen, die fachlich brillant sind, mitdenken, eigenverantwortlich handeln und mit echter Begeisterung dabei sind. Genau diese Mischung macht den Unterschied. Ich erlebe jeden Tag, wie viel ein kleines, fokussiertes Team Dinge bewegen kann, wenn jeder Einzelne wirklich für die Sache brennt. Zum Team gehören übrigens auch meine beiden Söhne — beide ebenfalls Informatiker und mit vollem Einsatz dabei. Ein Stück Familienbetrieb, das coderis Stabilität und Kontinuität gibt.

Dazu kommen spannende Zeiten für die Softwareentwicklung. Der Einsatz von KI-Werkzeugen hat unsere Arbeitsweise grundlegend verändert. Wir arbeiten täglich mit Coding-Agenten, lokalen Sprachmodellen und automatisierten Pipelines — Dinge, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren. Das hebt die Schlagkraft eines guten Teams nochmal auf ein anderes Level: Ein paar Leute liefern heute Ergebnisse, für die früher die doppelte oder dreifache Mannstärke nötig war.

Meine eigene Rolle hat sich entsprechend verschoben. Ich code immer noch gerne — aber ich delegiere und berate heute deutlich mehr als früher. Ich freue mich, wenn ich Raum schaffen kann, damit andere brillieren.

Was bleibt

Was sich nie geändert hat: die Begeisterung dafür, Software für Menschen zu bauen, die Verantwortung tragen — für Disponenten, die unter Hochdruck entscheiden müssen, für Besatzungen, die rund um die Uhr im Einsatz sind, für medizinische Einrichtungen, die sich auf Verlässlichkeit verlassen müssen.

coderis ist die Fortsetzung dieser Geschichte — mit besseren Werkzeugen, einem großartigen Team und der gleichen Leidenschaft wie 2012.

— Ralf Pogoda

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